Franz Kafka als Student 2 |
Am 3.Juli 1883 wird Franz Kafka als erstes Kind von Hermann und Julie Kafka
(geb. Löwy) in Prag geboren. Seine Eltern betreiben in Prag ein kleines Geschäft für
Zwirn, Baumwolle und Galanteriewaren.
Von 1889-1893 besucht er die Volksschule, bis 1901 das "Altstädter Deutsche Gymnasium", bis 1906 studierte er Jura an der "k.k. deutschen Karl-Ferdinands-Universität zu Prag", wo er am 18.Juni 1906 zum Dr. jur. promoviert. Ab 30.Juli 1908 bis zu seinem Tod arbeitet Franz Kafka bei der "Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt für das Königreich Böhmen in Prag" (AUVA). |
Vater2
Mutter1
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Franz Kafka und Zürau
Zürau (um 1989)
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Zürau [Sirem] ist ein kleines Dorf im westböhmischen Hopfengebiet.
Das Ehepaar Leopold Hermann und Sophie Hermann besaßen in Zürau Landbesitz mit mehreren Hopfengärten, dessen größten Teil sie verkauften und den Erlös an ihre acht Kinder aufteilten. Nur ihr Sohn Hugo Hermann blieb in Zürau zurück und bewirtschaftete den elterlichen Hof. 1
Ein anderer Sohn, der Geschäftsmann Karl Hermann heiratete am 27.November 1910 Gabriele [Elli] Kafka, eine der drei Schwestern Franz Kafkas. 1
Franz Kafka mit Ottla in Zürau 4 |
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Im April 1917 übernimmt Ottla Kafka, eine Schwester Franz Kafkas, die Verwaltung des verwaisten und verschuldeten Hofes von Hugo Hermann in Zürau, dem Bruder ihres Schwagers Karl Hermann. 1
Brief von Franz Kafka an seine Schwester Ottla in Zürau:
[Prag, ca. 20 Juni 1917]Liebe Ottla, kleine Fürsorgestelle,
Nachtrag zum Tetsch:
1.) die Bestätigung wegen der Kleider die Herr Hippmann dem Sopper aufgestellt hat ist sehr gut, so soll er es auch für den Tetsch machen und mir schicken.
2.) der Tetsch hat wegen seiner Bedürftigkeit auf Grund eines neuen Gesetzes Anspruch auf eine besonder Unterstützung von etwa 48 K monatlich. Nur muß ein Zuwendungsansuchen gemacht werden und zwar auf dem beiliegenden Formular. Der Herr Vorsteher soll es für Tetsch ausfüllen und auf der 3tten Seite an die Bezirkshaupmannschaft Podersam adressieren*Die Kleidersache Sopper wird so erledigt, daß Sopper von hier aus gleich 300 K bekommt und daß außerdem an die Fürsorgestelle Podersam (Lehrer Rößler) geschrieben wird, sie möge wie es ihre Pflicht ist, aus ihren Mitteln die 100 K, die zum Kleiderkauf noch nötig sind (der Herr Vorsteher hat den Preis mit 400 K angegeben) dem Sopper auszahlen. Sopper kann ja dann auch noch persönlich den Lehrer Rößler darum bitten.*
Viele Grüße FranzMeine erste Begegnung mit Tetsch in Prag war so: ich gehe Sonntag abend mit Max und seiner Frau den Belvedereabhang hinauf und sehe von der Ferne auf einer dieser künstlichen Steinböschungen einen Soldaten sitzen, ohne Strümpfe, die Hosen hoch hinaufgezogen, den einen Ärmel leer, hinter dem Ohr eine große Beule. "Auch ein Soldat" sag ich und schau lieber gar nicht hin. Erst als ich vorüber bin, dreh ich mich um: es ist der Tetsch. Ich habe wirklich Freude gehabt.
Brief von Franz Kafka an seine Schwester Ottla in Zürau:
[Prag, 25. Juni 1917]Liebe Ottla, hoffentlich hat das Fräulein gestern meine Karte für Dich eingeworfen. Ich bat Dich dort unter anderem mir gleich jetzt zu sagen, wann die Männer hinauskommen sollen. Hier noch ein Nachtrag zur Gänsler-Sache; es fehlt noch die Bestätigung vom Gemeindeamt, sie liegt bei und muß nur noch vom Gemeindeamt unterschrieben werden, schick mir dann die Bestätigung zurück. Sopper hat das Geld noch nicht bekommen, ich weiß, er bekommt es in den nächsten Tagen
Leb wohl
FranzDer Mutter geht es glaube ich besser
Vergiß den Tetsch nicht, es ist ja nichts für ihn zu machen, als das Formular dem Vorsteher zu geben.
Zürau, auf einer Ansichtskarte von Franz Kafka an Max Brod vom 20.September 1917
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12.September 1917 - 30.April 1918: Franz Kafka in Zürau
Franz Kafka übersiedelt wegen seiner Tuberkulose auf Empfehlung seiner Ärzte aufs Land, zu seiner Schwester Ottla nach Zürau, und unterbricht dort seinen Aufenthalt nur kurz für verschiedene Besuche und notwendige Reisen zu seiner Arbeitsstelle, der AUVA in Prag und verschiedenen Ärzten. Auch wird er häufig in Zürau von Verwandten und Bekannten besucht.
Sein sonnenloses Zimmer lag ruhig, doch ihm gegenüber war "das einzige Klavier von Nordwestböhmen" untergebracht. 3
Franz Kafka macht öffters Abendspaziergänge nach Oberklee [Sobechleby] und auch nach Michelob [Mecholupy] und Lischwitz [Libesovice] .
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| In dem Haus rechts von der Kirche (durch den Baum halb verdeckt) - 1989 nicht mehr existend - wohnte Franz Kafka, daneben das Haus mit dem "einzigen Klavier Nordwestböhmens" 5 | Ortseingang von Zürau 5 | Weg nach Oberklee 5 |
siehe2
- 12. September 1917
- Franz Kafka kommt in Zürau an
- 20./21. September 1917
- Besuch von seiner Verlobten Felice Bauer aus Berlin
- 30. September 1917
- Besuch von seiner Mutter Julie Kafka und der Haushaltshilfe der Familie Marie Werner (*1884-1942)
- 8.Oktober
- Tagebucheintrag:
"[...] Füttern der Ziegen, von Mäusen durchlochtes Feld, Kartoffelklauben (>Wie der Wind uns in den Arsch bläst<) Hagebuttenpflücken, Bauer Feigl (7 Mädchen, eine klein, süßer Blick, weißes Kaninchen über der Achsel) im Zimmer Bild 'Kaiser F.J. in der Kapuzinergruft', Bauer Kunz (mächtig, überlegene Erzählung der Weltgeschichte seiner Wirtschaft, aber freundlich und gut) Allgemeiner Eindruck der Bauern: Edelmänner, die sich in die Landwirtschaft gerettet haben, wo sie ihre Arbeit so weise und demütig eingerichtet haben, daß sie sich lückenlos ins Ganze fügt und sie vor jeder Schwankung und Seekrankheit bewahrt werden bis zu ihrem seeligen Sterben. Wirkliche Erdenbürger. [...]"- 9.Oktober
- besucht den Bauern Lüfter
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Grabstein von Franz und Anna Lüftner, ein befreundetes Bauernpaar 5![]()
Ottla Kafka und ihre Cousine Irma in Zürau 5
- 15.Oktober 1917
- Tagebucheintrag:
"[...] Kunz und Frau, auf ihren Feldern, auf dem Abhang gegenüber meinem Fenster."- 27./28. Oktober 1917
- trifft sich mit seinem Freund Max Brod (*1884-1968) und dessen Frau Elsa in Michelob [Mecholupy] und fährt mit ihnen nach Komotau [Chomutov]
- 28. Oktober - etwa 2.November 1917
- fährt nach Prag zu Arztbesuchen und zu seiner Arbeitsstelle, der Versicherung AUVA
- 5. oder 6.November 1917
- Besuch von seiner Schreibkraft in der AUVA Julie Kaiser und deren zukünftigen Ehemann August Kopal
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Auf dem "Gütchen" von Ottla, v.r.nl.: Franz Kafka, seine Sekretärin Julie Kaiser, seine Schwester Ottla, Cousine Irma, Marenka - eine Hilfe aus dem Dorf 5![]()
v.r.nl.: Kafkas Sekretärin Julie Kaiser, ihr Bräutigam, Ottla Kafka, Cousine Irma, Marenka - eine Hilfe aus dem Dorf 5
- 10.Dezember 1917
- Besuch von seinem Vorgestzten in der AUVA Eugen Pfohl
- 25.Dezember 1917 - etwa 6.Januar 1918
- fährt nach Prag
- etwa 6. - 13.Januar 1918
- Besuch von seinem Freund Oskar Baum (*1883-1941)
- 2./3.Februar 1918
- Besuch von seiner Cousine Irma Kafka (*1889-1919), der Tochter seines Onkels Ludwig Kafka aus Prag.
- 13.-19.Februar 1918
- fährt nach Prag zur Regelung seiner Militärfreistellung
- 29.April 1918
- besucht mit seiner Schwester Ottla den Bauern Riedl, um sich zu Verabschieden
- 30.April 1918
- Abreise zurück nach Prag
Im Herbst 1918 kehrt Hugo Hermann aus dem Krieg zurück und Ottla Kafka verläßt den Hof in Zürau. 1
| Georg |
Franz Kafka (1910) 2 | ||||
| 11.September 1885 | * Georg Kafka | ||||
| 1887 | + (Masern) | ||||
| Heinrich | |||||
| 27.September 1887 | * Heinrich Kafka | ||||
| 1888 | + (Mittelohrentzündung) | ||||
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| Elli |
Elli Kafka (1910) 2
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| 22.September 1889 | * Gabriele "Elli" Kafka | ||||
| 27.November 1910 | Heirat mit dem Geschäftsmann Karl Hermann (+1939) | ||||
| 9.Dezember 1911 | * Felix (+1940) | ||||
| 8.November 1912 | * Gerti (+1972) | ||||
| 3.November 1919 | * Hanna (+1941) | ||||
| 1942 | Letzter bekannter Aufenthaltsort mit ihrer Tochter Hanne Seidner: Ghetto Lodz | ||||
| 1942 | + Gabriele "Elli" Kafka | ||||
| Valli |
Valli Kafka (1910) 2 | ||||
| 25.September 1890 | * Valerie "Valli" Kafka | ||||
| 12.Januar 1913 | Heirat mit dem späteren Prokuristen Josef Pollak (+1942) | ||||
| 1913 | * Marianne | ||||
| 24.November 1914 | * Lotte (+1931) | ||||
| 1942 | Letzter bekannter Aufenthaltsort mit ihrem Ehemann: Ghetto Lodz | ||||
| 1943 | + Valerie "Valli" Kafka | ||||
| Ottla |
Ottla Kafka (1910) 2 | ||||
| 22.Oktober 1892 | * Ottilie "Ottla" Kafka | ||||
| 15.Juli 1920 | Heirat mit dem Tschechen Josef David (+1962) | ||||
| 27.März 1921 | * Vera | ||||
| 1923 | * Helene | ||||
| 1942 | Scheidung | ||||
| August 1942 | Ghetto Teresienstadt | ||||
| 5.Oktober 1943 | + Ottilie "Ottla" Kafka, in Auschwitz | ||||
| Ein Ladenmädchen von gegenüber |
Franz Kafka (1906) | |
| Sommer 1903 | Sein "erstes mal" - er traf sie nur zweimal:
"[...] aber dieses Glück bestand nur darin, daß ich endlich Ruhe hatte von dem ewig jammernden Körper, vor allem aber bestand das Glück darin, daß das Ganze nicht noch abscheulicher, nicht noch schmutziger gewesen war. [...]" 3 |
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| Eine Urlaubsbekanntschaft | ||
| Sommer 1905 | Urlaubsbekanntschaft, älter als Franz Kafka, in Zuckmantel (Österreichisch Schlesien) | |
| Hedwig Weiler, Studentin, 5 Jahre jünger | ||
| August 1907 | Urlaubsbekanntschaft bei seinem Onkel Alfred in Triesch, aus der sich eine längere Liebesbeziehung in Briefen entwickelt. | |
| Felice Bauer aus Berlin, Prokuristin, * 1887-1960 |
Felice Bauer (1917) 4 | |
| 13.August 1912 | Franz Kafka trifft bei seinem Freund Max Brod Felice Bauer | |
| Es entsteht ein reger Briefwechsel, der kurz unterbrochen, am 29.Oktober 1913 wieder aufgenommen wird | ||
| 1.Juni 1914 | Verlobung | |
| 12.Juli 1914 | Auflösung der Verlobung | |
| seit ca. Ende Okt. 1914 | Erneut intensiver Briefwechsel. | |
| 10.Juli 1916 | 2. Verlobung | |
| 27.Dezember 1917 | Endgültige Trennung | |
| 12.November 1918 | Letzter bekannter Briefkontakt | |
| Gertrud Wasner, Schweizerin, 18 Jahre | ||
| September 1913 | Urlaubsbekanntschaft in Riva am Gardasee | |
| Grete Bloch, Freundin von Felice Bauer, *1892-1944 |
Grete Bloch 4 | |
| Juli - Oktober 1914 |
Grete Bloch bekommt 1915 einen Sohn, welcher aber nur 7 Jahre alt wird,
Franz Kafkas Vaterschaft sind aber weder ihm noch Felice Bauer, ihrer Freundin, bekannt.
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Am 29.Oktober 1913 hatte Grete Bloch brieflich um ein Treffen mit Franz Kafka gebeten, welches am 30./31.Oktober auch stattfindet. |
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| Julie Wohryzek, Tochter eines Synagogendieners, *1891-1944 |
Julie Wohryzek 2 | |
| Januar 1919 | Franz Kafka trifft Julie Wohryzek in einer Pension (Pension Stüdl) in Schelesen [Zelezná] (nördl. v. Prag), in der er sich zur Erholung aufhält. | |
| Okt. / Nov. 1919 | Geplante Heirat scheitert, weil eine vorgesehene Wohnung anderweitig vergeben wurde | |
| 6.Juli 1920 | Letztes bekanntes Treffen | |
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| Milena Jesenská, verheiratete Tschechin aus Wien, Journalistin und Übersetzerin, *1896-1944 |
Milena Jesenská 1 | |
| Febr. o. März 1920 | Milena Jesenská bittet brieflich um die Erlaubnis, den 'Heizer' ins Tschechische zu übersetzen, woraufhin sich Franz Kafka bald darauf mit ihr kurz persönlich trifft. | |
| April 1920 | Franz Kafka beginnt den intensiven Briefwechsel mit Milena Jesenská wärend eines Kuraufenthaltes in Meran. | |
| 29.Juni-4.Juli 1920 | Erstes längeres Treffen (in Wien) | |
| Januar 1921 | Franz und Milena schreiben sich jeweils einen 'letzten' Brief | |
| Oktober 1921 | Franz überläßt Milena seine Tagebuchhefte | |
| November 1923 | Letzter bekannter Brief an Milena | |
| Dora Diamant, aus einer ostjüdischen orthodoxen Familie, *1898-1952 |
Dora Diamant 2 | |
| 13.Juli - 6.Aug. 1923 | Franz trifft in Müritz, in einer Ferienkolonie des Berliner Jüdischen Volksheimes Dora Diamant kennen. | |
| 24.Sep. 1923 - 17.März 1924 | Franz und Dora leben zusammen in Berlin | |
| 3.Juni 1924 | + Franz Kafka | |
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Franz Kafka 1924
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Grab in Prag-Straschnitz
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